Familienhund?
Immer wieder liest man, dass der Toller kein Familienhund sei. Ernsthafte Züchter, allesamt große Fans und heißblütige Liebhaber dieser speziellen Rasse, betonen, dass der Toller zum Arbeiten geboren sei - tägliche Spaziergänge alleine würden ihn unterfordern. Ganz anders übrigens in den USA, bzw. Kanada, dem Herkunftsland der Toller. Hier betonen viele Toller-Fans, was für ein großartiger Familienhund diese „kleinste Retrieverrasse“ wäre.

Was denn nun? Toller = Familienhund? Oder doch nicht?

Wir glauben, dass es sich hier um ein Missverständnis handelt: Ein Hund, der den ganzen Tag brav in der Ecke liegt und lethargisch vor sich hindöst, bis sich irgendein Familienmitglied seiner erbarmt und ihn fünf Minuten an der Leine um den Häuserblock zerrt, und der ansonsten keine Ansprüche stellt und dem hektischen Alltag einer modernen Stadtfamilie nicht im Weg steht - das ist für uns kein Familienhund, das ist ein armer Hund.

Wir glauben, dass die Anforderungen, die ein Toller an geistige und physische Arbeit stellt sehr wohl mit dem Alltag einer ganz normalen Familie, in der beide Eltern berufstätig sind, vereinbar sind. Entscheidend ist nämlich, dass man jede aktive Beschäftigung mit dem Hund (ein bis zwei Stunden täglich sollten es schon sein - bei vier Familienmitgliedern sind das max. eine halbe Stunde pro Person, das kann jeder einrichten!) zu einem „Arbeitserlebnis“ für den Hund machen kann (siehe „Toller-Arbeit für Nicht-Jäger“). Selbst ein Kurzspaziergang an der Leine kann den Toller geistig voll beschäftigen und eine spannende Herausforderung sein.

Und wenn man dies berücksichtigt, dann ist der Toller unserer Erfahrung nach ein Super-Familienhund. Einer, den alle Familienmitglieder lieben werden (und der allen Familienmitgliedern aufs Wort gehorchen wird). Einer, der mit großem Feuereifer zu allen Schandtaten bereit ist. Der mit den Kindern über „Stock und Stein“ tobt, im Sommer im Garten stundenlang den „Rasensprenger-Tanz“ tanzt, im Winter abends vor dem Kamin kuschelt (und zufrieden schnurrt wie eine Katze), seine komischen fünf Minuten kriegt und damit die ganze Familie vor Lachen in die Knie zwingt, sich neugierig mit den Kindern auf die Suche nach einer verlorenen Socke begibt oder deren neues Stofftier ausgiebig durch hingebungsvolles Einspeicheln im Familienkreis willkommen heißt. Einer, der Frauchen beim abendlichen Spaziergang furchtlos gegen jeden Igel verteidigt und es sich trotzdem nicht nehmen lässt, seinen Lieblingsbriefträger mit dem unnachahmlichen Toller-Lächeln schwanzwedelnd zu begrüßen. Einer, der mit unbändiger Freude apportiert, Dummys aufspürt, High Five mit den Kindern übt und sich mit lässiger Eleganz auf jedem Familienfoto verewigen lässt (natürlich erst nachdem er die Kameralinse ausgiebig abgeschlabbert hat).

Kurzum: Ein Toller ist in jedem Fall ein Familienhund. Für eine Familie, die bereit ist, sich auf die Besonderheiten eines Tollers einzulassen.